random lyrics

Maulfaule Frau,
ein Segen für alle
Männer, die ihr Leben
in Ruhe und abseits von
weiblichen, sprich: überzogenen
Forderungen genießen und sich nicht
ständig für ihre Existenz rechtfertigen wollen.

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Platz frei

​Und auf diesem Bild
Ganz am äußeren Rand
Ist noch ein Platz frei
Für Dich

Und unter dem Schirm,
Der mit mir im Regen geht
Ist noch ein Platz frei
Für Dich

Und auf der Kante
Des altgeblümten Sofas
Ist noch ein Platz frei
Für Dich

Und in der Luft
In abgezählten Molekülen
Ist noch ein Platz frei
Für Dich

Und nie kannst
Du da sein, wo ich gerade
Bin: Das geht schon
Physikalisch nicht

Und immer musst
Du Dich begnügen mit dem
Freien Platz, den ich
Dir lasse

Probleme

Es wäre schön, wenn der Schmerz 

Langsam nachließe,

Dann wäre der Weg wieder frei für

Das Leben am Rande des Wahnsinns,

Nicht mehr mittendrin.

Und all die großen und kleinen Probleme 

Gingen über den Jordan oder nach Timbuktu

Wobei es ja eigentlich unfair wäre, denen

Dort die Probleme aufzuhalsen,

Wo sie doch mit Sicherheit auch 

Welche haben, also dann:

Jeder schön seine eigenen beackern,

Aussitzen, bebrüten, leugnen

Oder delegieren an irgendeinen

Armen Hanswurst, der dann sehen

Müsste, wie er damit klarkäme.

Aber trotzdem wäre es schön, wenn

Der Schmerz langsam nachließe.

Unterwegs

Im Ohr gefangen

zwei Violinen in Moll/

der Kopf ist voll

neben Flausen und Müll

mit Adagio, Allegro, Vivace-Grave/

Hässliche Bauwerke, 

Statik als Strafe/

Schlachthof auf drei Uhr — soso

Land spaziert vorbei: 

Pastorale, Largo/

Schlendern mit Inbrunst, 

Andante Molto/

gemessenen Schrittes- doch voran immerhin:

flirrende Wege, kobaltblau, gold und grün.

Ahoi

Der Rotwein schmeckt nach Kaffee und schwankt. Früher gab es ein Weinperlgetränk namens Moccaperle mit Kaffeegeschmack. Unvergessen scheußlich. Warum es schon am hellen Mittag Rotwein gibt? Das liegt am Seegang, denn als Resident der Frontkabine, gleichsam Auge und Ohr des Geschehens, pfeifft der Wind ums Stahlgebälk und die Schiffsunglücke der letzten Jahrzehnte promenieren im Geiste vorbei. Da hilft kein Kamillentee. Es ist ein guter Zeitvertreib zum Jahresende, in See zu stechen und die Zeit langsamer vergehen zu lassen. Wir gehen übers Wasser, Grau in Grau auf weißen Kronen, die sich malen und verwischen mit Schatten aus Horizont und Himmel, aus dem ganz einzeln und sehr zufällig Schneeflocken fallen, die kleinen Kristallkunstwerke der Schöpfung, einfach ins Wasser geworfen, dort sterben sie den Kältetod und vereinen sich mit ihresgleichen in kalter, grauer Monotonie und die Zeit steht still. Zu faul, die Reisetabletten einzunehmen. Rotwein ist die Reisetablette der Zukunft. Oh, guck mal! Da drüben ist die Nils Holgersson. Kein Land in Sicht und in acht Minuten beginnt das Kapitäns-Kaffeekränzchen. Es ist mir völlig egal, wie übel mir ist: Ich habe einen Voucher. Lassen Sie mich durch, ich bin Seefahrerin!

Boltenhagen 

Sonne fällt ab von Ansichtskarten,
Winternächte sind nicht still,
nicht an der See, da braust es,
das mürrische Ungetüm
siegessicher und stolz
von Anbeginn.

Ich heule den Sturm an,
ich berste wie Glas,
lasse mich überall liegen,
bin Haiangriffsüberlebende,
angeschwemmt zwischen
Dünen und Strandhafer
und keiner hebt mich auf.

aus alt mach neu

schnell verliert sich der klang
deiner stimme erst recht
deine wärme, alles was
zwischen uns jemals war
an hitze, geht unwiderruflich
den bach runter. 

du bist fort und
meine ungeschickten
hände umklammern
ein letztes lächeln,
festgehalten auf einem
matt glänzenden foto,

auf dem du aussiehst
wie du, mein liebes und fernes,
genau das ist der zauber,
doch du siehst an mir vorbei.

Mein Engel

Mein Engel
hat einen Namen
und blaue Blüten
zieren Kopf und Kragen
wie Geschmeide.

Kein Hochmut
lässt ihn fallen,
noch religiöser Eifer
der den Mensch
vergiftet.

Er trägt das Licht,
gerade so, wie ein
Reiter seine Lanze,
Kreuz am Arm,
Demut im Blut.

Willst du mit mir gehen

Willst du mit mir gehen

Von A nach B

Und vielleicht auch

Wieder zurück

.

Ich nehm dich mit 

Nach Hause, in mein Leben

Wir schauen uns tief

In das blaue Auge

.

Dann sitzen wir da,

Ich auf deinem Schoß,

Hand in Hand 

Atmen Andachtswärme

Artemisia absinthium

schwermut ist die
geliebte des winters
ebenso eisig, ewigfinster
schwerer fall von
untröstlichkeit
verteufelt die sterne,
verfremdet die Zeit.

wermut ist die
geliebte des trinkers,
glas mit salzrand
olive, limone
interessanter tropfen
talentiert im verzeihen.

schwermut und
wermut von
meinen lippen
trinkst du mir
mit deinem edelmut.